Meyer

Zwischen Kaisertreue und NS-Täterschaft. Biographische Konturen eines deutschen Bürgers

Alfred Meyer zählte zu den Multifunktionären der NSDAP aus der zweiten bzw. dritten Reihe der Parteigrößen. Er war gleichzeitig Gauleiter, Reichsstatthalter, Oberpräsident und stellvertretender Reichsostminister. Als solcher nahm er an der berüchtigten Wannsee-Konferenz vom Januar 1942 teil und war mitverantwortlich für die Ermordung von sechs Millionen Juden in Europa. Und doch blieb Meyer ein weitgehend Unbekannter – in der Fachwelt, erst recht aber in der breiten Öffentlichkeit. Ist dies allein auf die Tatsache zurückzuführen, dass er seinem Leben selbst ein Ende setzte und damit einer Bestrafung durch das Internationale Militärtribunal in Nürnberg entging, welches ihn sicherlich wie seinen unmittelbaren Vorgesetzten, den Reichsostminister und »Parteiideologen« Alfred Rosenberg zum Tode durch den Strang verurteilt hätte? Oder schien Meyer, der erst 1941 auf der Reichsebene erschien, weniger wichtig als andere gleichfalls nachgeordnete NS-Funktionäre wie etwa Albert Speer, »Hitlers Architekt«, später dann »Reichsminister für Bewaffnung und Munition«, Baldur von Schirach, »Reichsjugendführer«, Roland Freisler, Präsident des sog. Volksgerichtshofes, oder Ernst Röhm, langjähriger SA-Führer? War er, der er den urdeutschen Namen Meyer trug, als Person einfach zu langweilig, langweiliger als der Chef der Parteikanzlei Martin Bormann, langweiliger als der »Organisator des Holocaust« Adolf Eichmann, langweiliger als der Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz Rudolf Höß oder langweiliger als der KZ-Arzt Josef Mengele, um das Interesse der Öffentlichkeit und der Historiker zu wecken? Ist das fehlende Interesse an Alfred Meyer darauf zurückzuführen, dass schon seit den frühen 1950er Jahren das »Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete« als überflüssiges Ministerium mit kaum vorhandenen Kompetenzen abgestempelt wurde?
Heinz-Jürgen Priamus zeichnet die biographischen Konturen jenes Mannes nach, dessen Lebensweg als wohlhabender, konservativer und kaisertreuer Bürgersohn begann und als nationalsozialistischer Verwaltungsmassenmörder und Menschheitsverbrecher endete.


Schriftenreihe des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen , Band 14
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Veröffentlicht: 09.09.2011
Seitenzahl: 526
Produkt: Festeinband
ISBN: 978-3-8375-0592-4
  • 20592

Heinz-Jürgen Priamus

Heinz-Jürgen Priamus, Dr. phil., ist GründungsdirektordingText1=Krieg

Heinz-Jürgen Priamus
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Produktinformationen "Meyer"

Alfred Meyer zählte zu den Multifunktionären der NSDAP aus der zweiten bzw. dritten Reihe der Parteigrößen. Er war gleichzeitig Gauleiter, Reichsstatthalter, Oberpräsident und stellvertretender Reichsostminister. Als solcher nahm er an der berüchtigten Wannsee-Konferenz vom Januar 1942 teil und war mitverantwortlich für die Ermordung von sechs Millionen Juden in Europa. Und doch blieb Meyer ein weitgehend Unbekannter – in der Fachwelt, erst recht aber in der breiten Öffentlichkeit. Ist dies allein auf die Tatsache zurückzuführen, dass er seinem Leben selbst ein Ende setzte und damit einer Bestrafung durch das Internationale Militärtribunal in Nürnberg entging, welches ihn sicherlich wie seinen unmittelbaren Vorgesetzten, den Reichsostminister und »Parteiideologen« Alfred Rosenberg zum Tode durch den Strang verurteilt hätte? Oder schien Meyer, der erst 1941 auf der Reichsebene erschien, weniger wichtig als andere gleichfalls nachgeordnete NS-Funktionäre wie etwa Albert Speer, »Hitlers Architekt«, später dann »Reichsminister für Bewaffnung und Munition«, Baldur von Schirach, »Reichsjugendführer«, Roland Freisler, Präsident des sog. Volksgerichtshofes, oder Ernst Röhm, langjähriger SA-Führer? War er, der er den urdeutschen Namen Meyer trug, als Person einfach zu langweilig, langweiliger als der Chef der Parteikanzlei Martin Bormann, langweiliger als der »Organisator des Holocaust« Adolf Eichmann, langweiliger als der Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz Rudolf Höß oder langweiliger als der KZ-Arzt Josef Mengele, um das Interesse der Öffentlichkeit und der Historiker zu wecken? Ist das fehlende Interesse an Alfred Meyer darauf zurückzuführen, dass schon seit den frühen 1950er Jahren das »Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete« als überflüssiges Ministerium mit kaum vorhandenen Kompetenzen abgestempelt wurde?
Heinz-Jürgen Priamus zeichnet die biographischen Konturen jenes Mannes nach, dessen Lebensweg als wohlhabender, konservativer und kaisertreuer Bürgersohn begann und als nationalsozialistischer Verwaltungsmassenmörder und Menschheitsverbrecher endete.


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