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Wegweisender Ratgeber zum Thema Mental Load

Mit „Ich denke auch an mich. Elternschaft und Mental Load" legen die Autorinnen Susanna Karademirci und Lena Kristin Kunz jetzt im Klartext Verlag einen praxisnahen Ratgeber vor, der Aufklärung, Strategien und konkrete Werkzeuge für alle Familienformen bietet. Ein Interview mit den Autorinnen.

Mental Load 1

Raus aus der Überforderung, rein in eine faire Elternschaft

Wer übernimmt die Kita-Anmeldung? Wer plant den Kindergeburtstag? Wer behält den Überblick über Arzttermine, Schulausflüge und Elternabende – und trägt das alles gedanklich mit sich? Mental Load, die so genannte mentale Last, ist längst kein Nischenthema mehr.

Mit ihrem neuen Ratgeber „Ich denke auch an mich. Elternschaft und Mental Load“ liefern die beiden Mütter und Autorinnen Susanna Karademirci und Lena Kristin Kunz erstmals eine umfassende, lebensnah geschriebene Antwort auf dieses hochaktuelle gesellschaftliche Thema. Das Buch erscheint in der Klartext-Ratgeber-Reihe #weileswichtigist. Ein Interview mit den Autorinnen.

Mental Load ist ein Thema, das viele kennen, aber kaum jemand benennt. Was war für euch der persönliche Schlüsselmoment, in dem ihr gedacht habt: Darüber muss ein Buch geschrieben werden?

Diesen einen Moment gab es nicht. In unseren Gesprächen haben wir uns vielmehr immer wieder über Überforderungen in der Elternschaft ausgetauscht, und wie wenig wir auf die tiefgreifenden Veränderungen der Elternschaft vorbereitet waren. Wir haben gemerkt, dass kaum darüber gesprochen wird und entschieden, dies in einem Buch aufzugreifen. Gleichzeitig war es uns wichtig, hilfreiche Tipps zusammenzutragen, die Eltern praktische Hilfestellung für den Alltag geben. Mit der Einteilung in ME-YOU-US hoffen wir, dass sich jedes Elternteil im Rahmen der Elternschaft ausreichend Raum nehmen kann, um auch an sich selbst zu denken.

Ihr seid beide Mütter in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen. Wie hat das eure jeweilige Perspektive auf das Buch geprägt?

Wir haben zwar unterschiedliche Lebenssituationen, aber unsere Perspektive ist sehr einheitlich, weil wir sehen, wie wenig Wertschätzung die Gesellschaft und die Politik der Care Arbeit entgegenbringen. Familien müssen um Unterstützung kämpfen und sind auf sich allein gestellt. Mit unserem Buch wollen wir dazu beitragen, dass das Problem erkannt wird und die Familien merken: Wir sind nicht die einzigen!

Habt ihr beim Schreiben Momente erlebt, in denen ihr gedacht habt: „Genau das passiert mir gerade selbst"?

Ja, auf jeden Fall. Parallelen haben wir vor allem bei den Gesprächen mit anderen Eltern gesehen und davon ausgehend die Tipps zusammengetragen. Wir haben die meisten Tipps sogar selbst ausgetestet, um zu schauen, ob sich diese wirklich für unsere Leserinnen und Leser eignen.

Könnt ihr ein Beispiel nennen?

Zum Beispiel der Handyparkplatz, ein fester Ort, an dem das Handy weggelegt wird und auch länger nicht genutzt wird, der hat uns beiden extrem geholfen, Mental Load zu reduzieren.

Mental Load ist unsichtbar – genau das macht sie so schwer greifbar. Wie würdet ihr das Phänomen jemandem erklären, der es noch nie bewusst wahrgenommen hat?

Mental Load bezeichnet die kognitive und emotionale Arbeit, die mit der Organisation und Bewältigung des Alltags verbunden ist. Dazu gehören nicht nur alltägliche Aufgaben wie das Planen von Schulbroten oder Einkäufen, sondern auch das Erinnern an Geburtstage, das Koordinieren von Familienabläufen und das Wahrnehmen sowie Begleiten der emotionalen Bedürfnisse aller Familienmitglieder.

Eine wichtige Frage in diesem Rahmen ist vor allem: Warum trifft Mental Load nach wie vor so überproportional stark Mütter – obwohl sich gesellschaftlich doch scheinbar so viel verändert hat?

Das liegt vor allem an der Elternzeit: Nach wie vor nehmen in Deutschland vor allem Frauen ein Jahr oder länger Elternzeit, während es bei den Partnern nur zwei Monate sind. So ist die Mutter schon von Anfang an diejenige, die alles organisieren und planen muss und meist mehr übernimmt. Die so genannte Motherhood Penalty fängt schon am ersten Tag an, wenn sich Eltern vorab nicht bewusst mit einer fairen Aufteilung auseinandergesetzt haben.

Ihr schreibt, dass ein hohes Maß an Mental Load die Gesundheit negativ beeinflusst. Welche konkreten Auswirkungen seht ihr am häufigsten?

Viele Eltern sind ausgebrannt bzw. leiden unter einem Burn-Out, weil einfach zu viel von ihnen erwartet wird und es immer weniger Unterstützung durch eine Gemeinschaft gibt, die früher die Großfamilie oder das „Dorf“ gewesen ist. Zudem kann es auch zu Depressionen oder einer Wochenbettdepression kommen.

Das Herzstück eures Buches ist das ME-YOU-US-Modell.

Uns war es wichtig, einen Rahmen zu finden, in dem alle Beteiligten der Familie Raum finden können, um an sich selbst zu denken. Mit Hilfe von ME-YOU-US können Ressourcen der Familie besser und einfacher eingeteilt und im Blick behalten werden.

Was antwortet ihr Eltern, die sagen: „Schön und gut, aber ich habe keine Zeit für Übungen und Impulsfragen"?

Das Buch enthält viele Tipps, die so gestaltet sind, dass sie gut in den Alltag integriert werden können, ohne einen hohen zeitlichen Aufwand. Ebenfalls lässt sich das Buch nach Bedarf lesen. Indem unterschiedliche Phasen der Elternschaft abgedeckt sind, ist das Buch eine ideale Begleitung durch den gesamten Prozess und kann somit auch zum passenden Zeitpunkt gelesen werden. Zusätzlich haben wir zahlreiche Ressourcen zusammengetragen und Expertinnen und Experten zu Wort kommen lassen. Wie zum Beispiel die Mütterpflegerin Lili Göncz, die über wichtige Aspekte bei der Wahl einer Mütterpflegerin spricht oder die Psychologin Milena Treu, die in ihren Beiträgen Anregungen zu Mikropausen und Selbstfürsorge im Elternalltag gibt.


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