Die Kehrseite der Emanzipation in Frankreich

Judenfeindschaft im Elsass 1778-1848

Im Unterschied zu fast allen europäischen Staaten erfolgte die vollständige Emanzipation der französischen Juden im Kontext der Revolution von 1789 zu einem vergleichsweise frühen Zeitpunkt. Die 1791 erreichte Rechtsgleichheit bedeutete jedoch keineswegs die gesellschaftliche Akzeptanz und ein Ende der Anfeindungen. Im Elsass, wo damals die große Mehrheit der französischen Juden lebte, war der Zeitraum vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts von einer virulenten Judenfeindschaft geprägt. Gegner einer jüdischen Emanzipation verfassten Schmähschriften, Beamte diskriminierten weiterhin jüdische Bürger und pogromartige Ausschreitungen führten sporadisch zu Plünderungen und Vertreibungen. Im Zentrum des judenfeindlichen Diskurses stand der aus dem Mittelalter stammende Vorwurf des Wuchers, d.h. der Ausbeutung der zumeist ländlichen, nichtjüdischen Bevölkerungsmehrheit durch wucherischen Geldverleih. Die Emanzipation der Juden führte nicht zu einer Abnahme dieser Anschuldigungen. In weiten Teilen des Elsass wurden die Juden nach der bürgerlichen Gleichstellung verstärkt als die neuen skrupellosen Herrscher über das Elsass diffamiert. Das Buch zeigt, dass auch in Frankreich trotz einer früh erfolgten rechtlichen Gleichstellung judenfeindliche Vorstellungen aus der voremanzipatorischen Zeit nicht einfach verschwinden, sondern weiter fortbestehen, um in einem komplexen Wandlungsprozess in eine neue postemanzipatorische Judenfeindschaft zu münden.


Antisemitismus: Geschichte und Strukturen, Band 1
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Veröffentlicht: 16.02.2006
Seitenzahl: 332
Produkt: Broschur
ISBN: 978-3-89861-408-5
  • 01408

Daniel Gerson

Daniel Gerson
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Produktinformationen "Die Kehrseite der Emanzipation in Frankreich"

Im Unterschied zu fast allen europäischen Staaten erfolgte die vollständige Emanzipation der französischen Juden im Kontext der Revolution von 1789 zu einem vergleichsweise frühen Zeitpunkt. Die 1791 erreichte Rechtsgleichheit bedeutete jedoch keineswegs die gesellschaftliche Akzeptanz und ein Ende der Anfeindungen. Im Elsass, wo damals die große Mehrheit der französischen Juden lebte, war der Zeitraum vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts von einer virulenten Judenfeindschaft geprägt. Gegner einer jüdischen Emanzipation verfassten Schmähschriften, Beamte diskriminierten weiterhin jüdische Bürger und pogromartige Ausschreitungen führten sporadisch zu Plünderungen und Vertreibungen. Im Zentrum des judenfeindlichen Diskurses stand der aus dem Mittelalter stammende Vorwurf des Wuchers, d.h. der Ausbeutung der zumeist ländlichen, nichtjüdischen Bevölkerungsmehrheit durch wucherischen Geldverleih. Die Emanzipation der Juden führte nicht zu einer Abnahme dieser Anschuldigungen. In weiten Teilen des Elsass wurden die Juden nach der bürgerlichen Gleichstellung verstärkt als die neuen skrupellosen Herrscher über das Elsass diffamiert. Das Buch zeigt, dass auch in Frankreich trotz einer früh erfolgten rechtlichen Gleichstellung judenfeindliche Vorstellungen aus der voremanzipatorischen Zeit nicht einfach verschwinden, sondern weiter fortbestehen, um in einem komplexen Wandlungsprozess in eine neue postemanzipatorische Judenfeindschaft zu münden.


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