Georg Möllers, Heribert Seifert

"Der Unterricht ging pünktlich weiter"

Zur Geschichte des Gymnasium Petrinum in Recklinghausen in der Zeit von 1933–1945

Der Wandel vollzog sich schleichend. Zuerst glaubte mancher, das humanistische Gymnasium der Stadt könne auch nach der „Machtergreifung“ durch die NSDAP 1933 als ein pädagogischer Schutzraum gegen die Brutalisierung der Politik bewahrt werden. Ein verhängnisvoller Irrtum. Auch das Gymnasium Petrinum, die traditionsreichste Schule Recklinghausens wird „gleichgeschaltet“. Wir sehen unter Lehrern und Schülern Ideologen und Opportunisten, die ihre Chance nutzen, während andere sich mutig widersetzen oder der geforderten Anpassung hinhaltend ausweichen. Der Schulleiter wird abgesetzt, die Symbole und Rituale des Regimes werden in den Alltag integriert. Die jüdischen Schüler werden von der Schule verjagt. Der Weg von der Schulbank ins KZ ist kurz für den, der offenen Widerstand leistet. Am Ende steht der Krieg mit Bombenterror, „Kinderlandverschickung“ der Schüler und der Totenliste gefallener Petriner. Schulgeschichte wird hier als ein Kapitel der Zeitgeschichte greifbar, das uns mitten in den Alltag unter der NS-Herrschaft führt. Wir erleben in Augenzeugenberichten und in Archivrecherchen, wie eine Schule Normalität zu behaupten versucht, während ringsum der Ausnahmezustand herrscht. Überraschende Entdeckungen im Archivmaterial zeichnen das Bild schärfer, manchmal auch bizarr. Ein Buch der Erinnerung an eine Zeit der Bewährung, der nicht jeder standhielt. Zugleich aber auch ein Buch, das den Versuch einer Schule zeigt, in der pädagogischen Arbeit aus einer dunklen Geschichte Brücken in die Zukunft zu bauen. Kein Schlussstein, sondern eine Anstiftung des Lesers zu eigenem Urteil.

"(...) Die drei Herausgeber und Autoren Ludger Linneborn, Georg Möllers und Heribert Seifert, die jeweils Jahrzehnte am Petrinum unterrichtet haben, verstehen ihre Arbeit als Lesebuch zur Geschichte ihrer Schule in der NS-Zeit. Augenzeugenberichte, Archivunterlagen, gründlich recherchierte Beiträge eröffnen auf rund 300 Seiten die großartige Chance, sich ein Bild von den teils subtilen Mechanismen des braunen Terrors zu machen. Die Rückschau endet nicht 1945 – Nachkriegszeit, Entnazifizierung und auch die Schwierigkeiten des Erinnerns werden thematisiert. Viele Seiten zeigen auch auf, wie gegen das Vergessen gearbeitet wird, mit Brücken in die Zukunft. (...)"
Wolfgang Kleideiter, Westfälische Nachrichten, 2. September 2016

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Veröffentlicht: 21.08.2016
Seitenzahl: 296
Produkt: Festeinband
Illustration: zahlr. Abb.
ISBN: 978-3-8375-1587-9
  • 21587

Ludger Linneborn

Ludger Linneborn, geb. 1953 in Münster; Studium der Mathematik und Erziehungswissenschaft in Münster und München; 1976 Diplom in Mathematik; von 1981–2004 Lehrer am Gymnasium Petrinum; heute Leiter des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung (Studienseminar) in Recklinghausen; Veröffentlichungen zu schultheoretischen Fragen.<br>Georg Möllers, geb. 1954 in Recklinghausen; Studium der Geschichte, der katholischen Religionslehre und Germanistik in Münster; Staatsexamen 1979; von 1983-20

Ludger Linneborn
Der Wandel vollzog sich schleichend. Zuerst glaubte mancher, das humanistische Gymnasium... mehr
Produktinformationen ""Der Unterricht ging pünktlich weiter""

Der Wandel vollzog sich schleichend. Zuerst glaubte mancher, das humanistische Gymnasium der Stadt könne auch nach der „Machtergreifung“ durch die NSDAP 1933 als ein pädagogischer Schutzraum gegen die Brutalisierung der Politik bewahrt werden. Ein verhängnisvoller Irrtum. Auch das Gymnasium Petrinum, die traditionsreichste Schule Recklinghausens wird „gleichgeschaltet“. Wir sehen unter Lehrern und Schülern Ideologen und Opportunisten, die ihre Chance nutzen, während andere sich mutig widersetzen oder der geforderten Anpassung hinhaltend ausweichen. Der Schulleiter wird abgesetzt, die Symbole und Rituale des Regimes werden in den Alltag integriert. Die jüdischen Schüler werden von der Schule verjagt. Der Weg von der Schulbank ins KZ ist kurz für den, der offenen Widerstand leistet. Am Ende steht der Krieg mit Bombenterror, „Kinderlandverschickung“ der Schüler und der Totenliste gefallener Petriner. Schulgeschichte wird hier als ein Kapitel der Zeitgeschichte greifbar, das uns mitten in den Alltag unter der NS-Herrschaft führt. Wir erleben in Augenzeugenberichten und in Archivrecherchen, wie eine Schule Normalität zu behaupten versucht, während ringsum der Ausnahmezustand herrscht. Überraschende Entdeckungen im Archivmaterial zeichnen das Bild schärfer, manchmal auch bizarr. Ein Buch der Erinnerung an eine Zeit der Bewährung, der nicht jeder standhielt. Zugleich aber auch ein Buch, das den Versuch einer Schule zeigt, in der pädagogischen Arbeit aus einer dunklen Geschichte Brücken in die Zukunft zu bauen. Kein Schlussstein, sondern eine Anstiftung des Lesers zu eigenem Urteil.

"(...) Die drei Herausgeber und Autoren Ludger Linneborn, Georg Möllers und Heribert Seifert, die jeweils Jahrzehnte am Petrinum unterrichtet haben, verstehen ihre Arbeit als Lesebuch zur Geschichte ihrer Schule in der NS-Zeit. Augenzeugenberichte, Archivunterlagen, gründlich recherchierte Beiträge eröffnen auf rund 300 Seiten die großartige Chance, sich ein Bild von den teils subtilen Mechanismen des braunen Terrors zu machen. Die Rückschau endet nicht 1945 – Nachkriegszeit, Entnazifizierung und auch die Schwierigkeiten des Erinnerns werden thematisiert. Viele Seiten zeigen auch auf, wie gegen das Vergessen gearbeitet wird, mit Brücken in die Zukunft. (...)"
Wolfgang Kleideiter, Westfälische Nachrichten, 2. September 2016

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