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Traumjob Lektorin: mehr als nur Lesen

Ein Blick hinter die Kulissen: Was den Beruf wirklich ausmacht und wie der Weg dorthin gelingen kann

In einem Buchverlag gibt es zahlreiche spannende Berufsfelder und vielfältige Aufgaben. Für viele Leseratten klingt vor allem der Beruf der Lektorin oder des Lektors wie ein wahr gewordener Traum: den ganzen Tag interessante Texte und Bücher lesen, sie mitgestalten — und dafür auch noch bezahlt werden. Was könnte es Schöneres geben?
Doch wie wird man eigentlich Lektorin? Und was gehört neben dem Lesen noch alles dazu? Um genau das herauszufinden, haben wir unserer Lektorin Steffi einmal über die Schulter geschaut und sie ausführlich dazu befragt.

Viel Spaß beim Lesen!

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Seit wann wolltest du Lektorin werden und wann hast du angefangen?

Tatsächlich habe ich schon als Kind gesagt, dass ich mal was mit Büchern machen möchte – allerdings wollte ich da eher Autorin als Lektorin werden und der „Bille & Zottel“-Reihe nacheifern. Nach der Buchhändlerlehre war dann relativ schnell klar, dass mir das Lesen und Verkaufen von Büchern nicht reicht und mir die Arbeit an und mit Texten fehlt. Darum habe ich mich nach der Ausbildung für ein Studium entschieden, dieses 2006 abgeschlossen und 2007 bei Klartext mein Volontariat begonnen.

Wie wird man Lektorin? Macht man eine Ausbildung oder braucht man ein Studium? Wie läuft das ab?

Den klassischen Ausbildungsberuf „Lektorin“ gibt es ja nicht. Ein Studium ist dagegen üblich, aber es gibt keinen Studiengang, der das „Verlagslektorat“ als gesichertes Ziel nach dem Abschluss garantiert. Ein sprachliches Studium, wie bei mir Germanistik, ist sicherlich der gängigste, aber nicht der einzige Weg. Ich habe während des Studiums schon einige Praktika in verschiedenen Verlagen gemacht, um neben dem Studium auch praktische Erfahrungen zu sammeln. Der Einstieg ins Verlagswesen erfolgt dann nach Abschluss des Studiums klassischerweise über ein Volontariat.

Was sind deine Aufgaben als Lektorin?

Da die Aufgaben einer Lektorin inzwischen wesentlich mehr umfassen als nur das Korrigieren und Lektorieren von Texten, heißt meine Berufsbezeichnung bei uns inzwischen „Projektmanagerin“ – und das trifft es dann auch ganz gut, denn der Großteil des Alltags besteht aus dem Organisieren und Managen von Abläufen und Terminen. Im Prinzip begleite ich ein Buchprojekt von der Ideenentwicklung oder dem Manuskripteingang bis zur Drucklegung und bin erst „raus“ aus dem Projekt, wenn das fertige Buch aus der Druckerei kommt.

Neben dem Lesen und Korrigieren des Texts gehören auch die Bildauswahl, die Kommunikation mit den Autor*innen, Gestalter*innen, mit Fotograf*innen und Illustrator*innen zu meiner Arbeit – sowie der ständige Austausch mit den Kollegen im Verlag.

Was gefällt dir besonders an deinem Beruf?

Ach, das ist eine schwierige Frage. Vor allem wohl zwei Dinge: zum einen die Abwechslung, denn auch wenn ich jeden Tag an Texten arbeite, ist doch jedes Buch, jeder Text anders – gerade bei uns im Klartext Verlag gibt es ja eine bunte Mischung an Themen, auf die man sich immer wieder neu einstellen muss. Zum anderen liebe ich den Austausch mit all den am Entstehungsprozess beteiligten Menschen. Mit den Autor*innen, Grafiker*innen, Ilustrator*innen über Ideen, Texte, Formulierungen, über Gestaltung und Ausstattung der Bücher zu sprechen, gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden und neue Dinge zu entwickeln macht viel Spaß, vor allem, wenn man gemeinsam zu optimierten Ergebnissen kommt.

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, wenn man Lektor/Lektorin werden will?

Wenn ich sage, man sollte vor allem gerne lesen, überrascht das vermutlich nicht … Ansonsten: Liebe zu Sprache und Texten, Kreativität, Freude an Kommunikation und Austausch– das fällt mir als erstes ein. Weil es oft auch Terminprojekte gibt, ist eine gute Organisation und in den „heißen Phasen“ eine gewisse Stress Resilienz sicherlich auch nicht verkehrt – aber das gilt vermutlich auch für alle anderen Bereiche bei uns im Verlag.

Hat sich viel am Berufsbild Lektor verändert? Wenn ja, was genau?

Im Projektmanagement hat sich durch die Digitalisierung vieles verändert. Als ich bei Klartext angefangen habe, haben viele Autor*innen noch Ausdrucke ihrer gesetzten Texte zur Korrektur bekommen, um dort handschriftlich ihre Änderungswünsche einzutragen. Druckdaten wurden zwar als PDF-Dateien verschickt, wir haben „damals“ aber von allen Druckereien noch Papier-Plots zur Kontrolle bekommen. In diese haben wir dann letzte Korrekturen auch per Hand eingetragen und sie per Post zurückgeschickt. Inzwischen läuft das alles online mit sogenannten Softproofs – und bei immer kürzeren Produktionszeiten wäre das Verschicken von Korrekturseiten per Post vermutlich auch viel zu langwierig.

Wie schätzt du die Zukunft für den Beruf Lektor/Lektorin ein?

Durch technologische Entwicklungen, allen voran KI, wird sich das Berufsbild in der Zukunft sicherlich weiter verändern. Tätigkeiten wie Rechtschreibkorrektur und das Beheben von stilistischen Fehlern können zum Teil jetzt schon maschinell vorgenommen werden. Ich gehe davon aus, dass wir uns in Zukunft noch stärker auf Inhalte und auf kreative Aufgaben konzentrieren können. Wahrscheinlich wird auch das Auseinandersetzen mit der Authentizität von Texten eine Aufgabe des Lektors/der Lektorin werden. Digitale Formate wie E-Pubs und Apps, Webinhalte wie dieser Blog, Social Media usw. erfordern neue Formen von Texten. Sicher ist nur: Langweilig wird es auch in Zukunft bestimmt nicht!