Susanne, was bedeutet für dich „Landglück“ – und wie unterscheidet sich dein Ansatz von klassischen Wanderführern?
bedeutet für mich gleich zweifachen Genuss: Zum einen geht es darum, entspannt eine reizvolle Landschaft zu erkunden, zum anderen um eine besonders schöne Einkehr während oder nach der Wanderung, um wieder etwas Energie aufzutanken und im ländlichen Umfeld verschiedenartige Köstlichkeiten zu genießen. Die Bücher richten sich also nicht nur an Menschen, die häufiger wandern, sondern auch an Ausflügler und Familien. Ich versuche auch immer, mindestens eine barrierefreie Route und auch einige kürzere Strecken auszuarbeiten und Hinweise auf barrierefreie Teilstücke, Abkürzungen oder Verlängerungsmöglichkeiten zu geben.
Wie bist du bei der Recherche der Hofläden und Hofcafés vorgegangen?
Das Interessante beim „Landglück“ ist, dass die Kombination stimmen muss: Ein schöner Hofladen oder ein idyllisches Hofcafé UND eine landschaftlich ansprechende Wanderroute. In einigen Fällen habe ich mich da auf Empfehlungen und Geheimtipps meiner Freunde und Bekannten verlassen (zum Beispiel beim Hof Schulze Scholle im Münsterland oder bei der Heilhauser Mühle in der Eifel). Manchmal habe ich irgendwann etwas aufgeschnappt (Hauserbachmühle in der Eifel) oder komme noch während der Recherche mit anderen Wanderern oder Gästen ins Gespräch und erhalte weitere Hinweise. Einiges kenne ich natürlich auch selbst, und dann gibt es noch eine Internetrecherche. Letztlich mussten für die Aufnahme ins Buch aber beide Aspekte passen – eine idyllische Gegend ohne Hof oder ein großartiger Hof ohne Wandergebiet mussten „leider draußen bleiben“.
Welche Kriterien müssen Cafés/Höfe erfüllen, um ins Buch zu kommen?
Auch das ist abhängig von der Kombination: Bei einer extrem schönen Wanderstrecke darf es auch mal ein SB-Hofladen mit einer kleinen Bank vor der Tür sein, bei einem besonders ansprechenden Hofcafé darf die Tour auch etwas weniger Höhepunkte oder ein paar schwächere Passagen haben. Wichtig ist, dass entweder eine eigene landwirtschaftliche Produktion dahintersteckt oder es sich um eine alte Hofstelle/Mühle/Kloster handelt und die Zutaten regional und die Leckereien hausgemacht sind. Letztlich hat sich bei allen Bänden eine bunte Vielfalt von Cafés und Höfen ergeben, die genau den Reiz der Bücher ausmacht und für jeden Geschmack etwas zu bieten hat.
Eines der beiden neuen Bücher beschäftigt sich mit der Eifel. Was ist für dich der besondere Reiz der Eifel im Vergleich zu anderen Wanderregionen?
Die Ruhe und Stille. Die Eifel ist wie ein Rohdiamant: Abgesehen von einigen Orten, die bekannter sind, ist man viel allein mit sich und seinen Gedanken und Erlebnissen. Die Natur ist vielfältig und bietet alles von lieblichen Hügeln bis zu zerklüfteten Felsen und hat zudem durch das Kalkgestein mit seinen Fossilien, dem Vulkanismus und den Maaren ganz einzigartige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Es gibt viel Wald und Wasser in allen Facetten. Die Ortschaften liegen weiter auseinander, daher sind die Strecken meist etwas länger – die meisten Menschen, die die Eifel besuchen, wünschen sich in der Regel aber genau das. Gutes Schuhwerk sollte man immer tragen, denn es geht fast überall über Stock und Stein.
Das zweite Buch beschreibt Touren im Münsterland. Worin unterscheidet sich das Wandergefühl im Münsterland von der Eifel?
Das Münsterland ist in der Regel deutlich flacher – auch hier gibt es aber die eine oder andere Tour mit reichlich Höhenmetern. Es ist touristisch extrem gut erschlossen und verfügt über eine große Dichte an Möglichkeiten zur Einkehr und eine Vielzahl an Angeboten. Wobei der Schwerpunkt eher beim Radfahren liegt und viele Wege breit und gut ausgebaut sind. Hier galt es, besonders genau hinzuschauen, um abwechslungsreiche Routen für Wanderer zu finden. Beide Regionen haben sehr reizvolle Landschaften zu bieten, und die Menschen sind freundlich, hilfsbereit und bodenständig. Wann immer ich dort bin – egal, ob in der Eifel oder im Münsterland –, bekomme ich sofort Lust, noch zu verweilen und meine Lieblingsplätze zu besuchen.
Wie bewertest du „regionalen Genuss“: Ist es die Zutatenherkunft, die Herstellung, das Rezept – oder die Gastgebergeschichte?
Das ist ganz individuell, je nach Hof. Die Geschichten, die dahinterstecken, sind oftmals sehr spannend und die hausgemachten Backwaren und Spezialitäten in der Regel einfach köstlich – manchmal ist es auch einfach der Heringsstipp, der so schmeckt wie von meiner Oma, der mich glücklich macht. In anderen Fällen steht eher die Konzeption im Vordergrund, zum Beispiel Formen des Bio-Anbaus, der Tierhaltung oder die Beteiligung der Kunden. Gibt es eine Begegnung mit Gastgeberinnen und Gastgebern, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist? Beim Besuch des Hühner- und Schweinehofes Kock in Ostbevern, der vor der eigentlichen Wanderung erfolgte, bin ich so nett und gemütlich zum Gespräch auf die Terrasse eingeladen worden, dass ich erst um 15 Uhr aufgebrochen bin, um meine Tour zu starten, sodass es zum Ende hin richtig spät wurde. Ich hatte Glück, dass es in meinem Hotel abends so lange etwas zu essen gab.
Wo siehst du die Entwicklung ländlicher Genusskultur in den nächsten Jahren? Welche Region steht als Nächstes auf deiner Landglück-Landkarte?
Hofläden und Hofcafés erhalten Gott sei Dank großen Zuspruch. Die Menschen wollen inzwischen wissen, woher ihre Nahrung stammt und wie sie verarbeitet wurde. Gleichzeitig achten sie stärker auf die Work-Life-Balance, sodass Genuss einen höheren Stellenwert erhält. In Büchern die Antwort auf die Frage zu geben, wo sich entspanntes Wandern und regionaler, ländlicher Genuss kombinieren lassen, ist also eine schöne Aufgabe. Aktuell bin ich für den nächsten „Landglück“-Band im Ruhrgebiet unterwegs und entdecke reizvolle Landschaften, besondere Orte und ganz wunderbare Höfe – Vorfreude lohnt sich!
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